Mössingen hilft! – Nummer 83

Gelungenes Grillfest zu Ferienbeginn

Am letzten Mittwoch, zum Beginn der Sommerferien und dem Ende der in Mössingen angebotenen Sprachkurse im Alten Rathaus hatten die zahlreichen Helferinnen und Helfer der katholischen Kirchengemeinde und Aktive des FK Asyl und zu einem Grillfest eingeladen. Bei herrlichem Sommerwetter fanden viele Flüchtlinge den Weg zum Fest und trugen durch mitgebrachte Beilagen und Salate zum Gelingen des Nachmittags bei. Die Gastgeber hatten Grillwürste und Hähnchen sowie alkoholfreie Getränke spendiert. Alle Speisen und Getränke fanden lebhaften Zuspruch.

Reger Austausch

An Biertischen und Bänken im Freien oder im Saal kam es zum regen Austausch miteinander und untereinander. Für die Kinder gab es ein besonderes Spiel- und Malangebot. Die Anwesenden nutzten die Gelegenheit auch, um Probleme und Anliegen zu erörtern. Manche hatten sich auch schon seit längerer Zeit nicht mehr getroffen und freuten sich auf das Wiedersehen. Etliche der schon seit längerer Zeit in Mössingen wohnenden Flüchtlinge berichteten stolz über ihre Fortschritte beim Spracherwerb dem Berufseinstieg oder der Berufsausbildung. Das ist für die einheimischen Helferinnen und Helfer eine wichtige und ermutigende Rückmeldung dafür, dass das oft jahrelange Engagement für die Flüchtlinge Erfolg haben kann. Am frühen Abend endete das Grillfest in fröhlicher und entspannter Atmosphäre.

Mössingen hilft! – Nummer 81

Stadt Mössingen macht Ernst bei der Integration

Die Herausforderungen durch die erhebliche Zuwanderung nach Mössingen sind vielfältig. Neben den ca. 350 Flüchtlingen kommt noch eine größere Zahl von Menschen aus EU-Staaten und anderen Ländern in unsere Stadt. Daher war es notwendig und richtig, dass der FK Asyl Gemeinderäte und den Oberbürgermeister schon früh auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht hat, die Stelle eines Migrationsbeauftragten zu schaffen.

Integrationsbeauftragter stellt Bericht vor

Boris Kühn trug am Montag im Rathaus seinen umfangreichen Bericht über die Arbeit der letzten 24 Monate vor. Das kann in dem Zeitungsartikel vom Mittwoch im „Steinlach-Boten“ nachgelesen werden. Neben dem Problem des ausreichenden und bezahlbaren Wohnraumes für alle Neubürger*innen wird die Einrichtung zusätzlicher Betreuungsplätze für Vorschulkinder und die besondere Förderung von Kindern aus Migrationsfamilien in den Schulen eine besonders wichtige Rolle spielen. Dazu sollten muttersprachliche, in den Herkunftsländern pädagogisch erfahrene Kräfte mit eigenem Aufgabenprofil als wichtige Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter in den staatlichen Schulen und den städtischen Einrichtungen ein Beschäftigungsverhältnis erhalten.

Großer Anteil der Vereine

In anderen Staaten und anderen Städten ist das bereits der Fall. Für die Förderung einer nachhaltigen Teilhabe am Leben in unserer Stadt sind auch besondere Angebote bei der Jugendarbeit und durch Vereine nötig. Als positives Beispiel können die Sportvereine in Mössingen genannt werden. Sie sind offen für alle Neuankömmlinge, besonders für Kinder und Jugendliche. Der FK Asyl hofft, dass sich durch die Entwicklung eines „Integrationskonzepts“ durch die Stadt Mössingen das Zusammenleben von Ureinwohnern und Neubürgern kontinuierlich verbessern wird.

 

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 78

Ein besonderes Erlebnis für die ganze Familie

Am Himmelfahrtstag versammelten sich ca. 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu einem Ausflug besonderer Art. Es ging zur Nachmittagsvorstellung des Kinder- und Jugendzirkus‘ ZAMBAIONI nach Tübingen-Derendingen. Rechtzeitig vor der Premiere hatte der FK Asyl Karten für diese Vorstellung besorgt, und so war es kein Problem, vor dem Zelt in der größeren Schlange auf den Einlass zu warten. Dieses Problem hatten aber sehr viele Familien, die ohne Reservierung in der anderen Schlange auf ihre Chance warteten, noch eine der begehrten Karten zu ergattern. Schließlich füllte sich das Zelt bis auf den letzten Platz. Die Kapelle spielte fröhlich-temperamentvolle Stücke zur Einstimmung.

Geschichten vom Ankommen und Wegfahren

Dann ging es endlich mit den Clowns los. Es wurde während der ganzen, über zweistündigen Vorstellung die Geschichte vom Ankommen und Wegfahren von den Clowns erzählt, damit auch von Heimat und Fremdsein. Das konnten die Flüchtlingsfamilien auch ohne besondere Sprachkenntnisse ganz gut verstehen. Wie groß aber war das Staunen über die großartigen Leistungen der jungen Akrobaten, Trapezartisten, Jongleure, Einradfahrer, Bodenakrobaten und ganz besonders der Mädchen an den von der Decke hängenden Stoffbahnen! Manchen stockte dabei der Atem, und auch die wirbelnden Feuerstäbe und brennenden Hula-Hoop-Reifen sorgten für Hochspannung.

Einmaliges Erlebnis

Für viele Flüchtlingsfamilien war der Zirkusbesuch ein einmaliges Erlebnis, voller Bewunderung für die jungen Darsteller und ihr auch künstlerisch ansprechendes Programm mit Tänzen, schönen Choreografien und richtig witzigen Clownsnummern. Auch für die einheimischen Begleiter war dieser außergewöhnliche Ausflug zum Zirkus ZAMBAIONI eine rundum gelungene Veranstaltung.

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 76

Update vom 06.05.2018: Bilder ergänzt

Ausflug nach MARBACH

Der FK Asyl mit Flüchtlingsfamilien unternahm am vergangenen Samstagnachmittag einen Ausflug zum Landesgestüt Marbach. Alle Teilnehmer*innen waren aufgeregt und voller Spannung, was dieser Ausflug bei schönsten Frühlingswetter wohl für sie bringen würde. Großes Erstaunen setzte ein, als es in den schönen Hof des Gestüts ging und die Gruppe auf ihre Gestütsführerin wartete. Frau Sabine Ilg stellte sich vor und begrüßte dann unsere Gruppe von 35 Menschen. Dann ging es direkt in den ersten Stall mit den Araberzuchtpferden.

pFERDE MIT sTAMMBAUM

Frau Ilg erklärte genau und mit viel Geduld die „Familiengeschichte“ einiger der äußerst wertvollen Zuchtpferde, deren Namen Stammbäume, Alter und individuellen Fütterpläne an den Boxen angebracht sind. Dann erklärte sie im folgenden Stall die Ernährung der Tiere. Kostproben von Hafer, Kraftfutter-Pelletts und Pferde-müsli durften die Kinder aus den Trögen anfühlen. Frau Ilg klärte auch die Erwachsenen über die Ernährung der Pferde auf: Nur Gras oder Heu füttern, falls man auf Wanderungen an Weiden oder Koppeln vorbeikommt! Bloß keinen Zucker! Der macht die Gebisse kaputt und schädigt die Innereien. Statt Äpfel sollte man lieber Möhren füttern, und auch die sehr sparsam.

fOHLEN HAUNTNAH

Außer diesen nützlichen Informationen konnte man auf den Weiden Stuten mit ihren Fohlen z.T. hautnah erleben. Das war bestimmt der Höhepunkt der Führung durch das Gestüt. Es wurden unzählige Fotos gemacht, die schöne Landschaft und die Ruhe genossen, bis es zum Stadion ging. Frau Ilg lieferte die zum Verständnis notwendigen Informationen zu den Veranstaltungen im Stadion. Schließlich endete der 1 ½ Stunden dauernde Rundgang mit der überaus freundlichen Frau Ilg, die sich am Ende sogar für das „rege Interesse“ und die „nette Gruppe“ bedankte. Im Gestütsladen konnten noch Souvernirs erworben werden. Am späten Nachmittag gelangte der Autokorso am Spiel- und Grillplatz in Nehren an, wo der tolle Ausflug beim gemütlichen Grillen ausklang.

Mössingen hilft! – Nummer 75

Aktueller Artikel im STeinlach-BoteN

Der „Steinlach-Bote“ berichtete am Ostersamstag ausführlich über einen Fall häuslicher Gewalt in einer Familie aus Mössingen. Es ist für die Aktiven des FK Asyl völlig klar und unstrittig, dass jegliche Form häuslicher Gewalt, von wem auch immer sie gegen Frauen oder Kinder ausgeübt wird, strikt abgelehnt und nicht toleriert wird. Unsere Gesetze schützen Frauen und Minderjährige, und selbst wenn eine Ehefrau angibt, sich wieder „versöhnt“ zu haben, so bleibt häusliche Gewalt ein schwerwiegender Straftatbestand. Dieser wird mit den Mitteln des bei uns herrschenden Rechtsstaates aufgeklärt und zu einem Urteil geführt.

KonsequentE Reaktion des Rechtsstaats

Das ist im vorliegenden Fall beispielhaft geschehen. Das Urteil dient der Durchsetzung der bei uns geltenden Gesetze, sendet ein starkes, öffentliches Signal an alle Frauen aus, dass unsere Gesetze sie schützen, sie Hilfe erhalten und nicht wehrlos ihren Ehemännern oder anderen männlichen Angehörigen ausgeliefert sind. Es hat abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter, denn es wird sich rasch herumsprechen. Der zeitnahe Prozess macht deutlich, dass jeder mit empfindlicher Strafe rechnen muss, der sich wegen häuslicher Gewalt schuldig gemacht hat. Das hat auch negativen Folgen für das Bleiberecht und das Finden eines Arbeitsplatzes. Es ist ein Beispiel dafür, dass unser Rechtsstaat gut funktioniert und keiner Verschärfungen bedarf.

Prävention durch den Freundeskreis Asyl

Bereits vor diesem schlimmen Vorfall haben Mitglieder des FK Asyl in unseren Sprachkursen, bei persönlichen Begegnungen mit Geflüchteten und durch das Verteilen von mehrsprachigem Aufklärungsmaterial des zuständigen Familienministeriums an verschiedenen Orten in Mössingen das Problem der häuslichen Gewalt direkt angesprochen und auf Hilfen hingwiesen. Dies alles zusammen wird eine nachhaltige Wirkung nicht nur in Mössingen entfalten. Es bleibt zu hoffen, dass derartig schlimme Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen (und Kinder) Einzelfälle bleiben und durch alle diese Maßnahmen sich weiter verringern werden, was für alle in unserer Gesellschaft lebenden Menschen gilt.

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 74

Mössingen hilft: Engagement

Unser Motto kann auch wörtlich genommen werden. Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, die das bürgerschaftliche Engagement für die hier lebenden Geflüchteten stets tatkräftig und ideell unterstützen. Einerseits durch Geld- oder Sachspenden andererseits durch deutlich ausgedrückten Zuspruch für unsere Bemühungen um Hilfen bei der Umstellung der gesamten Lebensumstände nach der Flucht.

Auch durch den guten Besuch der Benefizveranstaltung am 11. März in der Marienkirche samt dem entsprechenden Spendenaufkommen zeigen die Mössinger, dass sie unsere Arbeit nicht nur schätzen, sondern auch tatkräftig unterstützen. Die positive, öffentliche Resonanz unserer Arbeit wird auch durch sachliche und informative Berichte der lokalen Presse hervorgerufen. Und schließlich ist es die Stadt Mössingen selbst durch ihre Gemeinderäte und Herrn OB Bulander, die uns öffentlich ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringt.

Mössingen hilft: weltoffener Wohnort
(C) Manuel Wolf

„Mössingen hilft“ auch in einem anderen Sinn, nämlich als ein weltoffener und lebendiger Wohnort, der vielen Neubürgerinnen und -bürgern zur Heimat geworden ist und sicherlich noch werden wird, was die Geflüchteten betrifft. Gerade die Vielfalt, die Buntheit seiner Bewohner, die vergleichsweise junge Einwohnerschaft, die große Anzahl von Vereinen, die zahlreichen Kindergärten und Schulen, das lebendige Kulturleben und nicht zuletzt die anmutige, zur Erholung und Entspannung wie geschaffene landschaftliche Umgebung verleihen unserem Slogan „Mössingen hilft!“ diesen zweiten Sinn.

Das schätzen wir als Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt ganz besonders und schöpfen neue Kraft und tanken Energie beim Spaziergang durch die Streuobstwiesen oder Wanderungen auf den abwechslungsreichen, gut beschilderten Wanderwegen unserer Stadt.

 

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 71

Eine-Welt-Woche

Der FK Asyl beteiligt sich mit einem Informationsstand an der Eröffnungsveranstaltung der „Eine-Welt-Woche“ in der Tonnenhalle der Pausa am Samstag, den 21.10.17. Außerdem laden wir mit den Kooperationspartnern der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde Mössingen zum „Café International“ am 25.10.17 um 16.00 Uhr ins kath. Gemeindehaus.

Öffentlichkeitsarbeit in schwierigen Zeiten

Dass sich die Stimmung im Land seit der starken Zuwanderung im Jahr 2015 inzwischen erheblich verändert hat, kann am Erstarken von Fremdenfeindlichkeit und der Verschärfung des Asylrechts festgestellt werden. Auch das Ergebnis der Bundestagswahl spricht eine deutliche Sprache.

Nicht grundlegend verändert hat sich dagegen die Situation in den Ländern, aus denen Menschen zu uns geflüchtet sind. Die Zahl der Geflüchteten weltweit hat seit 2015 sogar noch erheblich zugenommen. Daher bleibt es eine wichtige Aufgabe, über Fluchtursachen, Fluchtwege und die Lage von Geflüchteten sachlich zu informieren.

Nach wie vor setzen sich die freiwillig Engagierten des FK Asyl und die Kooperationspartner nicht nur für die bei uns angekommenen und hier lebenden Menschen in vielfältiger Weise ein.

Infos und lebendige Begegnungen

Wir möchten auch durch den Info-Stand mit Interessierten ins Gespräch kommen. Mössingen und seine Bürgerschaft haben dieses Engagement durch eine große Hilfsbereitschaft bislang unterstützt. Das ist nicht nur eine humanitäre Geste, sondern dient auch dem Miteinander in unserer Stadt. Der FK Asyl freut sich auf weitere Unterstützung und lebendige Begegnungen bei der Veranstaltung am Samstag in der Tonnenhalle.

 

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 69

positive Bilanz des Helfens

Am Samstag stellte der Leitartikel des „Schwäbischen Tagblatt“ die Arbeit des „Arbeitskreises Asyl Südstadt“ in Tübingen vor. Viele Aspekte der Hilfe entsprechen dem, was auch die aktiven Helferinnen und Helfer des FK Asyl Mössingen bei der Alltagsbegleitung Geflüchteter bewältigen und erfahren. Neben dem an dieser Stelle bereits geschilderten zeitlichen Aufwand und den damit verbundenen Belastungen gibt es viele positive Erlebnisse und Erfahrungen für die einheimischen Aktiven.

Kleine und große Erfolge

Wenn es z.B. gelingt, für eine Flüchtlingsfamilie mit Bleiberecht eine Wohnung bei einem privaten Eigentümer zu vermitteln, ist dies ein großer Erfolg. Der erfolgreiche Besuch eines Sprachkurses mit bestandener Prüfung wirkt entsprechend motivierend auf die Betreuerinnen oder Sprachtutoren. Wer Flüchtlingskinder nach „ihrem“ Kiga fragt, löst meistens glänzende Augen und ein fröhliches Gesicht bei ihnen aus. Äußerst positiv werden von Geflüchteten sowie den Aktiven des FK Asyl gemeinsame Feste und Veranstaltungen erlebt. Das Grillfest am Mittwoch im kath. Gemeindehaus im Rahmen des „Café International“ war eine solche gelungene Veranstaltung.

Aber auch die erfolgreiche Vermittlung einer Praktikumsstelle wirkt positiv. Besonders befriedigend und als Motivationsimpuls wirkt der positive Abschluss eines Asylverfahrens mit Aufenthaltsrecht. Auch die Vermittlung eines regulären Arbeitsplatzes und die damit verbundene zunehmende Selbstständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit sind für alle positive Erfahrungen. Nicht zuletzt die Entwicklung persönlicher Beziehungen und der Aufbau von Vertrauen sind unverzichtbar für ein länger anhaltendes Engagement. Dankbarkeit und Gastfreundschaft erleben die Aktiven des FK Asyl ohnehin regelmäßig.

Lust auf Mitarbeit?

Der FK Asyl bittet um Mitarbeiter*innen für eine gute Betreuung der Geflüchteten. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das Mütterzentrum. Jeder/jede bestimmt selbst über Art und Umfang des Engagements.

 

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 68

Die richtige Beratung für junge Geflüchtete

Ein zusätzliches Beratungsangebot zur Berufsausbildung neben den bereits vorhandenen in Tübingen und Mössingen bietet seit kurzer Zeit K.I.O.S.K. in Tübingen. Das Kürzel bedeutet „Kontakte – Information – Orientierung – Selbstständigkeit – Kooperation“ und ist eine wichtige „Anlaufstelle zur Berufsorientierung für geflüchtete Jugendliche und ehrenamtlich Aktive“, wie es im Flyer heißt. Am Montagabend stellten zwei der Mitarbeiterinnen aus Tübingen ihr Projekt im Mehlgebäude den über 20 vorwiegend jungen, afghanischen und iranischen Geflüchteten vor. Dabei wurden die Möglichkeiten einer Berufsausbildung im dualen System ausführlich dargestellt.

Voraussetzungen für Berufsausbildung

Die Grundvoraussetzung dafür sind ausreichende Sprachkenntnisse, aber auch ausreichende mathematische Kenntnisse wegen der erheblichen Ansprüche der Berufsschule. Dagegen spielt der Status keine wesentliche Rolle, da auch mit einer Duldung eine Berufsausbildung möglich ist. Auch das Alter muss kein Hindernis für eine Berufsausbildung sein, sofern ein Ausbildungsbetrieb gefunden wird. Es kam zu einem lebhaften Austausch von Fragen und Antworten. Auch die Arbeitsaufnahme ohne Berufsausbildung wurde kurz behandelt.

Individuelle Beratung

Man kann sich bei K.I.O.S.K. individuell beraten lassen. Es werden auch Betriebsbesichtigungen organisiert und Gesprächsrunden mit bereits in Ausbildung befindlichen Geflüchteten veranstaltet. Der FK Asyl empfiehlt die Nutzung dieses wichtigen Beratungsangebots. Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag 16 – 18 Uhr, Poststraße 10, 72070 Tübingen

 

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 67

Ehrenamt oder freiwillig engagiert?

Der Begriff der „ehrenamtlich“ tätigen Personen des FK Asyl ist irreführend. Treffender ist es, von freiwillig Engagierten zu sprechen, weil es wenig mit “Ehre“ oder „Amt“ zu tun hat, was diese Menschen leisten. Es handelt sich vielmehr um vielfältige, oft zeitraubende und manchmal auch frustrierende Arbeit für die Geflüchteten und mit den Geflüchteten. Hier einige konkrete Beispiele:

Besuch beim Kinderarzt

Für den Besuch beimKinderarzt macht eine Familienbegleiterin des FK Asyl h in Absprache mit der Sozialarbeiterin zunächst einen Termin aus. Dann muss sie den Eltern erklären, den richtigen Berechtigungsschein für die ärztliche Behandlung unbedingt mitzubringen. Außerdem ist die Einhaltung des Termins und Pünktlichkeit unbedingt erforderlich, weil man in Deutschland ohne pünktliches Erscheinen keine Behandlung erwarten kann. Es muss eine Übersetzerin organisiert werden. Das ist über die Caritas möglich oder über einen Pool des FK Asyl, sollte aber ca. eine Woche vor dem Arzttermin erfolgen, weil diese sehr stark gefragt sind. Ärzte, die selbst keinen direkten Zugang zu einem fachlich geschulten Übersetzer haben, führen ohne Übersetzer keine Behandlungen durch. Mütter von Kleinkindern erhalten ein Heft, das (Vorsorge-)Untersuchungen/ Impfungen dokumentiert: Hier muss viel erklärt werden, da dies in den Herkunftsländern unbekannt ist. Man sieht also: Allein ein Arztbesuch ist eine sehr aufwändige Arbeit!

Das Amt: Formulare, Anträge, Dokumente

Noch zeitaufwendiger ist der Umgang mit Ämtern. Jedes amtliche Schreiben muss genau erklärt werden, da die notwendigen Sprachkenntnisse auch nach dem Besuch von Sprachkursen dafür nicht ausreichen. Die Begleitung zu Ämtern, die vielen Anträge und das Ausfüllen von Formularen ist selbst für Einheimische äußerst kompliziert. Für den Antrag auf Verlängerung des Aufenthalts für anerkannte Flüchtlinge z.B, müssen unglaublich viele Formulare/Dokumente ausgefüllt oder beigebracht werden. Die Ämter sind aber auch häufig das größte Hindernis bei der Lösung praktischer Probleme: Ohne die Genehmigung oder Zustimmung einer Behörde, z.B. dem Auslandsamt, werden Anträge an andere Ämter, z.B. die Familienkasse, nicht bearbeitet.

Die Mühen der freiwilligen Helferinnen und Helfer

Alles dies ist extrem zeitaufwendig und erfordert auch sehr viel Geduld; von Warteschleifen bei Telefonaten mit Ämtern ganz zu schweigen. Also zusammengefasst: wenig „Ehre“, viel „Amt“ und glüchlicherweise noch viel mehr „freiwilliges Engagement“.

 

Michael Mautner