Sprachkurse in Mössingen

Sprache als Herausforderung

Man stelle sich vor, man müsste eine völlig neue Sprache in fremder Umgebung lernen, zum Beispiel Arabisch oder Persisch. Wortschatz, Grammatik und das Schriftbild haben mit den uns geläufigen Fremdsprachen sehr wenig gemein. Man kann sich die Mühe kaum vorstellen, die man aufwenden muss, bis ein alltagstaugliches Niveau erreicht ist. Für Geflüchtete gilt das in gleicher Weise für das Erlernen der deutschen Sprache. Dabei sind noch nicht die Lernhemmnisse wie beengte Wohnverhältnisse, belastende Erlebnisse und Erfahrungen und ungewisse Zukunftsaussichten genannt. Auch das Alter und die formelle Bildung – oder deren Fehlen – haben Einfluss auf den Lernerfolg.

Sprachkurse in Mössingen

Für Geflüchtete in Mössingen sind die vom Mütter- und Familienzentrum organisierten Basisdeutschkurse und Alphabetisierungskurse oft die erste Anlaufstelle, um Deutsch zu lernen. Diese Grundkurse sind offen für alle Flüchtlinge während des Asylverfahrens und ermöglichen das kostenlose Erlernen grundlegender Deutschkenntnisse und gegebenenfalls der lateinischen Schrift. Von Montag- bis Donnerstagvormittag unterrichten 21 ehrenamtliche Tutorinnen und Tutoren im Wechsel derzeit rund 50 Geflüchtete aus Mössingen und den umliegenden Gemeinden des Steinlachtals in 2 Alphabetisierungskursen, 2 Kursen auf A 1-Niveau und einem Kurs auf A 2-Niveau.

Organisiert und koordiniert werden die Alphabetisierungs- und Sprachkurse von Irmi Hornbach. Bei ihr kann man sich auch an- bzw. abmelden und auf eine Warteliste setzen lassen. Die Vetreter der Sprachtutoren sind Rainer Köning und Ingeborg Österle.

Das Konzept der Kurse orientiert sich dabei an der oft schwierigen Lebenssituation der Flüchtlinge. So haben diese nicht nur die Möglichkeit, hier ohne Vorkenntnisse in Sprache und Schrift und ohne Zeitdruck Deutsch zu lernen, sondern können auch neue soziale Kontakte knüpfen. Jede und jeder kann teilnehmen, solange es notwendig ist.

Die Basisdeutschkurse können mit der Prüfung für Zielniveau A1 abgeschlossen werden. Weiterführende Kurse werden in Tübingen und Rottenburg angeboten

Kinderbetreuung während der Kurse

Eine wichtige Rolle spielt auch die vom Mütter- und Familienzentrum angebotene kostenfreie Kinderbetreuung für maximal 16 Kinder im Kleinkindalter. Die Kinder werden von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen beaufsichtigt, während die Eltern Deutsch lernen. Diese Kinderbetreuung ist etwas Besonderes – kein anderer Unterstützerkreis im Landkreis kann das aktuell leisten.

Alphabetisierung

Es gibt Menschen, die nie lesen und schreiben gelernt haben, die also nie in der Lage waren, einem bestimmtem graphischen Zeichen einen Laut zuzuordnen.  Das sind vor allem kulturell benachteiligt Gruppen wie die Roma in den Balkanländern, sehr arme Schichten im asiatischen Raum, dann auch Frauen, denen unter  fundamentalistischen Regimen der Schulbesuch verwehrt wurde. Man nennt sie Analphabeten. Diese erhalten in Mössingen eine spezielle Schulung. Sie bilden die kleinste Gruppe unter den Lernenden, etwa 5 bis sieben sind es zur Zeit.

Sie haben einen eigenen Raum und werden  Montags bis Donnerstag von 9 bis 11 Uhr unterrichtet. Das Lehrteam, „Alpha“ besteht aus fünf Ehrenamtlichen. In der Arbeit muss man praktisch bei Null anfangen, und da die Lernfähigkeit bei den Lernenden sehr unterschiedlich ist, muss selbst in dieser kleinen Gruppe immer wieder differenziert gearbeitet werden.

Das „Alphateam“ trifft sich in unregelmäßigen Abständen zur gegenseitigen Abstimmung und Weiterbildung.

Dolmetscher

Die Caritas in Tübingen vermittelt Dolmetscher für wesentliche Angelegenheiten und übernimmt die anfallenden Kosten.

Für kleinere Aufträge hingegen helfen sich die Flüchtlinge gegenseitig, da manche schon Deutschkenntnisse besitzen, manchmal reichen daher auch private Kontakte zu zweisprachigen Bekannten.

Der Freundeskreis Asyl vermittelt gern bei Bedarf.