Mössingen hilft! – Nummer 68

Die richtige Beratung für junge Geflüchtete

Ein zusätzliches Beratungsangebot zur Berufsausbildung neben den bereits vorhandenen in Tübingen und Mössingen bietet seit kurzer Zeit K.I.O.S.K. in Tübingen. Das Kürzel bedeutet „Kontakte – Information – Orientierung – Selbstständigkeit – Kooperation“ und ist eine wichtige „Anlaufstelle zur Berufsorientierung für geflüchtete Jugendliche und ehrenamtlich Aktive“, wie es im Flyer heißt. Am Montagabend stellten zwei der Mitarbeiterinnen aus Tübingen ihr Projekt im Mehlgebäude den über 20 vorwiegend jungen, afghanischen und iranischen Geflüchteten vor. Dabei wurden die Möglichkeiten einer Berufsausbildung im dualen System ausführlich dargestellt.

Voraussetzungen für Berufsausbildung

Die Grundvoraussetzung dafür sind ausreichende Sprachkenntnisse, aber auch ausreichende mathematische Kenntnisse wegen der erheblichen Ansprüche der Berufsschule. Dagegen spielt der Status keine wesentliche Rolle, da auch mit einer Duldung eine Berufsausbildung möglich ist. Auch das Alter muss kein Hindernis für eine Berufsausbildung sein, sofern ein Ausbildungsbetrieb gefunden wird. Es kam zu einem lebhaften Austausch von Fragen und Antworten. Auch die Arbeitsaufnahme ohne Berufsausbildung wurde kurz behandelt.

Individuelle Beratung

Man kann sich bei K.I.O.S.K. individuell beraten lassen. Es werden auch Betriebsbesichtigungen organisiert und Gesprächsrunden mit bereits in Ausbildung befindlichen Geflüchteten veranstaltet. Der FK Asyl empfiehlt die Nutzung dieses wichtigen Beratungsangebots. Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag 16 – 18 Uhr, Poststraße 10, 72070 Tübingen

 

Michael Mautner

Mössingen hilft! – Nummer 67

Ehrenamt oder freiwillig engagiert?

Der Begriff der „ehrenamtlich“ tätigen Personen des FK Asyl ist irreführend. Treffender ist es, von freiwillig Engagierten zu sprechen, weil es wenig mit “Ehre“ oder „Amt“ zu tun hat, was diese Menschen leisten. Es handelt sich vielmehr um vielfältige, oft zeitraubende und manchmal auch frustrierende Arbeit für die Geflüchteten und mit den Geflüchteten. Hier einige konkrete Beispiele:

Besuch beim Kinderarzt

Für den Besuch beimKinderarzt macht eine Familienbegleiterin des FK Asyl h in Absprache mit der Sozialarbeiterin zunächst einen Termin aus. Dann muss sie den Eltern erklären, den richtigen Berechtigungsschein für die ärztliche Behandlung unbedingt mitzubringen. Außerdem ist die Einhaltung des Termins und Pünktlichkeit unbedingt erforderlich, weil man in Deutschland ohne pünktliches Erscheinen keine Behandlung erwarten kann. Es muss eine Übersetzerin organisiert werden. Das ist über die Caritas möglich oder über einen Pool des FK Asyl, sollte aber ca. eine Woche vor dem Arzttermin erfolgen, weil diese sehr stark gefragt sind. Ärzte, die selbst keinen direkten Zugang zu einem fachlich geschulten Übersetzer haben, führen ohne Übersetzer keine Behandlungen durch. Mütter von Kleinkindern erhalten ein Heft, das (Vorsorge-)Untersuchungen/ Impfungen dokumentiert: Hier muss viel erklärt werden, da dies in den Herkunftsländern unbekannt ist. Man sieht also: Allein ein Arztbesuch ist eine sehr aufwändige Arbeit!

Das Amt: Formulare, Anträge, Dokumente

Noch zeitaufwendiger ist der Umgang mit Ämtern. Jedes amtliche Schreiben muss genau erklärt werden, da die notwendigen Sprachkenntnisse auch nach dem Besuch von Sprachkursen dafür nicht ausreichen. Die Begleitung zu Ämtern, die vielen Anträge und das Ausfüllen von Formularen ist selbst für Einheimische äußerst kompliziert. Für den Antrag auf Verlängerung des Aufenthalts für anerkannte Flüchtlinge z.B, müssen unglaublich viele Formulare/Dokumente ausgefüllt oder beigebracht werden. Die Ämter sind aber auch häufig das größte Hindernis bei der Lösung praktischer Probleme: Ohne die Genehmigung oder Zustimmung einer Behörde, z.B. dem Auslandsamt, werden Anträge an andere Ämter, z.B. die Familienkasse, nicht bearbeitet.

Die Mühen der freiwilligen Helferinnen und Helfer

Alles dies ist extrem zeitaufwendig und erfordert auch sehr viel Geduld; von Warteschleifen bei Telefonaten mit Ämtern ganz zu schweigen. Also zusammengefasst: wenig „Ehre“, viel „Amt“ und glüchlicherweise noch viel mehr „freiwilliges Engagement“.

 

Michael Mautner